Beichte find ich gut

Das Institut für Neuevangelisierung hat zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit Zeugnisse über Erfahrungen mit dem Bußsakrament gesammelt. Diese „Beichterlebnisse“, die bislang wöchentlich in einer Serie der Katholischen SonntagsZeitung erschienen sind, wurden nun in einem Büchlein zusammengefasst. Es sind Texte von Beichtpriestern und Beichtenden aus dem Bistum Augsburg. Eine besondere Note erhält die Publikation durch die darin abgedruckten Beichtstühle aus 16 verschiedenen Kirchen des Bistums.

„Mit dieser Publikation soll die bestehende Beichtpraxis gestärkt und belebt werden“, betonte Weihbischof Florian Wörner, Leiter des Instituts für Neuevangelisierung und Beauftragter des Bistums für das Heilige Jahr. Zudem könnten gerade auch Gläubige ermutigt werden, das Sakrament vielleicht nach langer Zeit wieder zu empfangen. Eingeleitet werden die „Beichterlebnisse“ durch „sieben Ermutigungen zur Beichte“ von Weihbischof Wörner, angefangen bei „Der Papst geht auch“ bis „Die Beichte als ‚beste Gelegenheit’“.

Das Büchlein kann kostenlos im Bischöflichen Ordinariat oder per E-Mail an generalvikariat@bistum-augsburg.de bestellt werden. Beicht- und Ablassflyer sind ebenfalls noch dort erhältlich.

Hier kann das Büchlein als pdf heruntergeladen werden:

Beichterlebnisse (pdf / 1,19 MB)


Ich sehe uns noch alle Vier anstehen in der Warteschlange vor dem Beichtstuhl: meine Eltern, meinen Bruder und mich. So wurde ich als Kind zur regelmäßigen Beichte animiert. Zuhause wurde dann der Zettel mit den Sünden verbrannt. Ich fühlte mich oft danach erleichtert – als Kind. In meiner Jugendzeit gab es dann eine Lücke: ein paar Jahre ging ich nicht zum Beichten. Mit dem Beginn des Theologiestudiums gehörte es dann irgendwie dazu – aber es fiel mir nicht leicht, wieder eine gute Beichtpraxis aufzubauen. Eine Pilgerreise an einen großen Wallfahrtsort brachte mir den Durchbruch: die so große Schar von Menschen aller Altersstufen zu sehen, die stundenlang warteten, um dann auf dem Boden kniend ihre Sünden bekennen zu dürfen, hatte eine Sogwirkung für mich. Wie befreiend und hilfreich die Beichte ist, habe ich zwar ganz persönlich immer wieder erfahren dürfen. Aber zu erleben, dass das nicht nur meine persönliche Erfahrung ist, sondern dass so viele Menschen um das Geschenk der Vergebung im Bußsakrament bitten, hat mir einfach noch mal klar gemacht, dass es eigentlich „normal“ ist, beichten zu gehen. Der Eindruck, als Beichtender ein Exot zu sein, hat sich für mich als Täuschung entlarvt.

Pfarrer Rupert Ebbers, Kempten

 

Herzlich Willkommen!
Am Urlaubsort saß ein Pater am anderen Tisch. Er machte einen freundlichen, offenen Eindruck. Nach zwei, drei Tagen nahm ich meinen Mut zusammen und fragte ihn, ob er wohl für eine Beichte zur Verfügung stünde. Er sagte sofort freudig ja. Davon war ich überrascht. Er war zwar als Gast da, aber wohl auch für das geistliche Wohl der Gäste zuständig.
Als ich nun zur verabredeten Zeit in der Seitenkapelle war, war er äußerst bemüht, dass wir nicht gestört würden. Er nahm sich Zeit für mich und hatte überhaupt keine Eile, mich wieder gehen zu lassen. Es schien ihn richtig zu freuen, dass er meine Beichte hören durfte. So willkommen hatte ich mich bei einer Beichte lange nicht gefühlt. Er sagte mir dann auch ein ganz ungewöhnliches Wort aus der Hl. Schrift, das mich noch lange beschäftigte und sein Wohlwollen ist mir heute noch im Gedächtnis.

V. R., Augsburg

 

Vor einigen Jahren war ich für 10 Tage zur Erholung an einem Wallfahrtsort und stellte mich dort als Beichtvater zur Verfügung. Der Beichtbedarf war sehr hoch und so verbrachte ich fast täglich 3 Stunden im Beichtstuhl. Es war offensichtlich eine große Gruppe vor Ort, die alle schon sehr lange nicht mehr gebeichtet hatten. Einer nach dem anderen kam zu mir und begann seine Beichte immer ähnlich: „Herr Pfarrer, helfen sie mir, ich war schon 20 Jahre nicht beim Beichten.“ Der nächste: „Ich war schon 30 Jahre nicht beim Beichten“, „ich war schon 40 Jahre nicht mehr beim Beichten“, eine Person kam und begann: „Helfen Sie mir, ich war noch nie beim Beichten – bei meiner geplanten Erstbeichte war der Pfarrer krank und dann bin ich nie mehr dazu gekommen.“ Ich habe so für mich still ein wenig die Jahre zusammengezählt, und so kam ich in 8 Tagen auf ca. 500 Jahre, die mir genannt wurden. Es war für mich als Priester ein wunderbares Erlebnis, Menschen nach so vielen Jahren mit dem Sakrament der Beichte helfen zu können und ganz viele haben mit großer Dankbarkeit den Beichtstuhl wieder verlassen. Seither habe ich immer eine besondere Freude, wenn mir jemand sagt, dass er lange nicht beim Beichten war, denn man kann richtig die Gnade spüren, die sie wieder zur Beichte bewegt hat und auch die Freude über die nach langem wieder empfangene Lossprechung.

Pfarrer Bernhard Hesse, Kempten

 

 Beichte find ich gut,…
…weil wir immer wieder Gottes Barmherzigkeit durch die Beichte erfahren. Oft ist es ja  so, das wir immer wieder mit den gleichen Schwächen zu kämpfen haben und diese durch die Beichte vor Ihn hin tragen. Durch seine Liebe wird er uns die Kraft geben, dass wir ihm diese Schwäche eines Tages ganz übergeben können.
Man könnte die Beichte auch mit den Jahreszeiten vergleichen. Lassen wir den Heiligen Geist kräftig durch uns wehen, damit alles alte Laub (Sünde)kräftig geschüttelt wird und von uns abfällt. Im Winter wird es leise, und wir könnten uns Gedanken darüber machen, wo und bei was er uns heil und gesund machen kann. Im Frühling werden wir sehen, wie durch Ihn in uns neues Leben erwacht, damit wir im Sommer aufblühen können durch seine Vergebung.

Krankenschwester aus Memmingen

 

Kraft zum Verzeihen
In der Seelsorge hat man manchmal auch mit Menschen zu tun, mit denen man sich nicht leicht tut, die einen reizen oder ärgern und irgendwann kann der Punkt kommen, an dem man glaubt: Jetzt geht’s nicht mehr! Jetzt kann ich nicht mehr verzeihen, jetzt kann ich nicht mehr neu auf den andern zugehen, der Bogen ist überspannt! Vor einiger Zeit ging ich zum Beichten – ganz normal eigentlich. Als ich kurz nach der Beichte einen Menschen traf, der mich kurz vorher noch an den Rand meiner Geduld gebracht hatte, war ich selber von meinen Gefühlen überrascht. Zorn und Ärger waren weg, spurlos! Ich hatte gar kein Problem zu verzeihen und es wieder neu mit ihm zu probieren.
So deutlich hatte ich noch nie gespürt, was es bedeutet, sich von Jesus lieben zu lassen, damit man selber wieder lieben kann. Wem verziehen wurde, der hat wieder die Kraft zu verzeihen. Wessen Herz von Jesus geheilt wurde, der kann auch wieder für andere da sein.

Pfarrer im Bistum Augsburg, Name der Redaktion bekannt

 

Befreites Leben!
Meine letzte Beichte lag ca. 19 Jahre zurück, und es geschah während eines Gottesdienstes, als der Priester in der Predigt sagte: „Jesus Christus ist für unsere Sünden, – für meine Sünden am Kreuz gestorben!“ Diesmal traf es mich mitten ins Herz, und ich erkannte plötzlich, dass in meinem Leben vieles im Argen lag, bzw. dass Gottes Gebote mich wenig interessierten. Ich erschrak über mich selbst und weinte bitterlich. Es folgte eine Zeit der innerlichen Zerknirschung. Endlich bat ich Jesus im Gebet, mir den Mut zu geben, zur Beichte zu gehen. Kurz darauf schritt ich zur Tat. Der Priester half mir dabei und sprach mir wohltuende Worte zu! Mir war, als fielen Fesseln und Unrat von mir ab. Ich erlebte eine tiefe Befreiung. Gott schenkte mir neue Lebensfreude und Kraft zum Umdenken. Ich bin sehr dankbar, für dieses Sakrament der Versöhnung, und dass ich seither regelmäßig mit all meiner Fehlbarkeit dem Barmherzigen Vater in die Arme laufen darf!

S. K., Gersthofen

 

Eine große Hilfe
Gott sei Dank ist mir in meinem langen Leben nie der Zugang zu diesem Sakrament verloren gegangen. In der besonders schweren Zeit der Krankheit und des frühen Todes meines Mannes war mir das Beichtgespräch eine große Hilfe. Wie hätte ich das sonst tragen können! Ich hatte einen sehr guten Priester. Nie erlebte ich Verurteilung. Gemeinsam haben wir betend gehört, gerungen. Der Priester ist heute noch nach 19 Jahren in meinem dankbaren Gebet gegenwärtig.

A. B.

 

Sündenzettel
Im internationalen Kongresszentrum in Castel Gandolfo, Rom gibt es Beichtgelegenheit in verschiedensten Sprachen. Man hörte immer wieder, dass die Deutschen kaum beichten. Deshalb wurde ich als deutscher Priester zu einem Kurzvortrag eingeladen. Dabei versuchte ich gewinnend über dieses Sakrament und seine Wirkungen zu sprechen. Ich bin aber auch überzeugt, dass viele eine Scheu deshalb haben, weil sie nicht wissen, wie sie sich ausdrücken sollen. Ich habe schließlich meinen letzten Sündenzettel gezeigt. Alle merkten, dass der Gebrauch eines Merkzettels keine Schwäche darstellt und hörten auch, wie man’s sagen kann. Wir hatten daraufhin so viele Beichten in deutscher Sprache, dass wir zu dritt gleich ein paar Stunden beschäftigt waren.

Pfr. Wolfgang Schneck, Dillingen

 

Gründonnerstagsbeichte in hektischer Zeit
Es war Gründonnerstag, kurz nach der Messe, als ich in die Sakristei ging, um unserem Pfarrer „Grüß Gott“ zu sagen. Ich besuche im Moment eine weiterbildende Schule, weswegen ich auch ein wenig im Stress stand und es nicht zu meiner Osterbeichte geschafft habe. Mich freute es, meinen Heimatpfarrer zu sehen und in dem Moment kam mir die Frage, ob ich heute noch beichten kann. Er lächelte und meinte „Ja klar“. Für mich war dies nicht selbstverständlich, denn ich hatte meine Osterbeichte schon abgeschrieben, da ich sie vercheckt hatte. So bekam ich in einer, für einen Priester stressigen Zeit, doch die Gelegenheit, zum Beichten gehen zu können. Beichten ist für mich etwas Erleichterndes, sich lossprechen von alle dem, was einen umtreibt und lähmt. All das, was mich belastet, darf ich teilen und in dem Moment, wo ich meine Belastung teile, blick ich nochmal ganz anders auf diese Belastung. Sie wird mir von den Schultern gelöst, weil ich sie aussprechen und benennen  kann. Ich konnte meinen Fehler greifbar machen und so aus ihm lernen. Dieser Donnerstag war mein prägendster Gründonnerstag, an den ich mich erinnern darf.

J. H., Schwabsoien

 

Eine gesegnete Zeit!
Am Tag vor Heilig Abend ging ich zur Beichte und der Priester entließ mich mit den Worten: „Ich wünsche ihnen eine gesegnete Zeit!“ Nach der Zeit der Stille und des Gebetes führte mich mein Weg in den Klosterladen, und mein Blick fiel auf eine CD vom „Barmherzigkeits- Rosenkranz“, der mir bis dato noch völlig unbekannt war. Neugierig auf diesen Rosenkranz hörte ich mir Zuhause die CD gleich an und war total ergriffen. Ich wusste nicht warum, aber er berührte mich innerlich tief und wurde in der Zeit danach zu meinem täglichen Gebet. Vier Wochen nach Heilig Abend verstarb plötzlich und unerwartet mein Vater. Im Nachhinein wurde mir bewusst, dass ich auf dieses Geschehen, schon im Voraus vorbereitet wurde, insbesondere durch die mit dem Barmherzigkeitsrosenkranz verbundene Aufforderung, auch für die Sterbenden zu beten. Ich fühlte mich getragen und bestärkt in dieser schweren Zeit. Ich erinnerte mich an die Worte, die mir der Priester gesagt hatte, bevor ich den Beichtstuhl verließ: „Eine gesegnete Zeit!“ Diese hatte ich nach der Feier der Versöhnung in der Tat intensiv erfahren dürfen.

B.S., Marktoberdorf

 

Ich bekenne meine Sorgen
In der Beichte oder im Beichtgespräch bekomme ich einen Zuspruch, Trost, Ermutigung, manchmal auch ein kritisches Wort, das mir dann weiterhilft – sozusagen eine konstruktive Kritik, die mir in Liebe gesagt wird – zu meinem Besten. Im Gespräch wird mir von Angesicht zu Angesicht Hoffnung gemacht, dass wieder alles gut wird. In der Beichte wird mir geholfen, mein Leben zu strukturieren bei allem Durcheinander, das der Alltag praktiziert und letztendlich ich selbst. Was ich ausspreche oder auch nicht ausspreche: In diesem Moment weiß ich, ich bin mit meinen Sorgen und Nöten nicht alleine. Ich werde ernst genommen. Einer meiner größten Momente auf dem Weg zu einer „erlösenden Beichte“ war ein Kind, das mir ganz selbstverständlich erklärte, dass es in der Beichte immer sagt: „Ich bekenne meine Sorgen“. Ich wollte es korrigieren und erklärte ihm: „Nein Christian, es heißt – ich bekenne meinen Sünden“. Im gleichen Augenblick wusste ich, dass der Neunjährige recht hatte. Sünden sind nichts anderes als Sorgen, wenn ich sie richtig erkannt habe, wenn ich erkannt habe, was ich falsch gemacht habe. Seitdem erzähle ich im Beichtgespräch nicht nur von meinen Fehlern, nein, auch von meinen Sorgen.

 

Das Fest der Erstbeichte
Ich bin jetzt 75 Jahre alt. Beim Nachdenken über das Beichten kam mir die positive Erfahrung meiner ersten Beichte am Ende der 2. Klasse oder Anfang der 3.Klasse in den Sinn. Wir hatten damals einen sehr lieben und freundlichen Pfarrer. Ich mochte ihn gern und war vor allem von den wunderbaren Geschichten, die er im Religionsunterricht erzählte, begeistert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich vor der ersten Beichte Angst hatte. Ganz im Gegenteil! Es war an einem Nachmittag. Unsere ganze Schulklasse von 72 Mädchen kniete unter der Aufsicht unserer Lehrerin Schwester Theodosia in der Basilika in den Bänken vorne rechts beim Beichtstuhl. Die Mitschülerinnen, die schon gebeichtet hatten, kamen alle freudestrahlend heraus. Ich erinnere mich nicht mehr genau an den Zuspruch, aber was hängen blieb: Gott liebt mich sehr und freut sich, dass ich da bin. Er verzeiht gerne meine Sünden. Nach der Beichte musste man die vorgeschriebenen Gebete aus dem Laudate lesen. Dann durfte man gehen. Zu meiner großen Überraschung stand meine Mutter draußen vor der Kirchentür. Sie wartete auf mich, um mir zu meiner ersten Heiligen Beichte zu gratulieren und sich mit mir zu freuen. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Sie ging mit mir zum Bäcker, um Semmeln zu kaufen und das an einem ganz gewöhnlichen Werktag. Zuhause war schon der Tisch gedeckt und zur Feier meiner ersten Heiligen Beichte gab es Semmel und mein Lieblingsgetränk Kakao.

H.N., PG Dillingen

 

Meine längste Beichte
Es ist schon lange her, zum Ende meiner Schulzeit. In unserer katholisch geführten Schule waren für die Abschlussklasse Exerzitien üblich – bei einem damals namhaften Jugendseelsorger. Ehrlich gesagt freuten wir uns eher auf die unterrichtsfreie Woche als auf ein religiöses Erlebnis. Trotzdem hatte ich bis zur abschließenden Beichte mein noch voll in der Pubertät steckendes Leben ungewöhnlich tief durchleuchtet, war bei meinen „tiefenpsychologischen Durchleuchtungen“ aber weit übers Ziel hinausgeschossen. Man verliebt sich in solchen Situationen ja gern in seine eigenen Fehler – oder in das, was man dafür hält. Es hat wohl einigen Einfühlungsvermögens meines Beichtvaters bedurft, aus all meinen „Übeltaten“, Bedenken und vielleicht auch Phantasien das wirklich wichtige herauszufiltern. Er zeigte eine Engelsgeduld! Und so ist es ihm wirklich gelungen, so etwas wie Ordnung in mein jugendliches Chaos zu bringen. Ich erinnere mich noch heute gern an das Gefühl der Freiheit, das ich damals verspürte.

W. I., Nordendorf

 

In den Himmel fliegen
In der Zeit nach meiner Erstkommunion ging ich regelmäßig mit meiner Freundin zum  Beichten. Voll Herzklopfen warteten wir vor dem Beichtstuhl bis wir an die Reihe kamen. Wenn dann alles vorüber war, waren wir so überglücklich, dass wir uns auf dem Heimweg an der Hand fassten und Luftsprünge machten. „Ich fühle mich so leicht, dass ich glaube, dass ich in den Himmel fliegen kann“, sagte ich. Wieder und wieder versuchten wir in den Himmel zu fliegen. Dass uns die Schwerkraft immer wieder auf den Boden zurückholte, belastete uns wenig. Nach jeder Beichte versuchten wir wieder in den Himmel zu fliegen. Ein bisschen in den Himmel fliegen, dem Himmel näher zu kommen, das ist Beichten für mich bis heute.

M. W., Dekanat Sonthofen

 

… wenn die Freundinnen gehen
Ich bin eine Schülerin der 8. Klasse und möchte ein Zeugnis über die Beichte abgeben. Bei mir war es so: Als ich in der 3. Klasse das erste Mal bei der Erstkommunion gebeichtet habe – na ja, wenn man klein ist, dann empfindet man das halt nicht als Geschenk; sondern da muss man sagen, was man Böses gemacht hat. Man nimmt nicht wahr, dass Gott einem wirklich verzeiht und zuhört. Wir sind dann einige Male umgezogen, und Zutrauen zu fassen zu einem neuen Pfarrer und oft auch in anderen Ländern in einer Sprache, die man meistens nicht versteht, ist sehr schwierig. Ich habe deshalb in diesen Jahren eigentlich überhaupt nicht mehr gebeichtet. Und als ich dann in die Anbetungsnächte am Edith-Stein-Gymnasium kam, da habe ich mich zum ersten Mal wieder getraut, beichten zugehen. Ich habe gesehen, dass meine Freundinnen auch gegangen sind, und habe die Erfahrung gemacht, dass die Beichte, das Sakrament der Versöhnung, eine wunderbare Erfahrung ist. Wirklich wunderschön.

E. F., Schülerin der 8. Klasse

 

Zwei freudige Erlebnisse
• Ich war mit einer Pfadfindergruppe als Aufsichtsperson beim Skifahren. Auf der Heimfahrt ergab sich mit dem uns begleitenden Priester ein tiefes Gespräch. Ich sagte ihm, dass ich gerne beichten würde. Er meinte: Kein Problem, bei der nächsten Parkgelegenheit könnten wir das erledigen. Schon bald kam eine Parkbucht, er legte seine Stola um,  und so durfte ich bei ihm beichten.  Es war ein Tag  wo mir GOTT in seiner herrlichen Natur und dann sogar im Sakrament begegnete. Wie herrlich ist es, katholisch zu sein.

• Bei einer 3-tägigen Fußwallfahrt bemerkte ich, dass sich immer wieder Personen aus dem Zug entfernten und dann freudestrahlend wieder zurückkamen.  Sie waren bei einem Priester, der zwischen  den Gruppen mitmarschierte, beim Beichten. Also ging auch ich nach einer Zeit der Überlegung – umringt von Gebet und Gesang – zum Priester zur Beichte. Es war ein herrliches Gefühl „frisch gebadet“  am Wallfahrtsort anzukommen.

M. S. aus dem Allgäu

 

Kletten-Sünden – und wie man sie lässt
Meine großen und kleinen Sünden haften an mir wie Kletten.  Sie richtig loszuwerden scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, zumal es auch schwierig ist, sich gegen einen Fehler zu stemmen, wenn man eh weiß, dass man es nicht ewig durchhalten wird. Bei dieser für mich typischen Ausgangslage hat mir die Beichte sehr geholfen. Denn ich muss zunächst gar nicht für immer diese Sünde besiegen, sondern es reicht, dass man bis zur nächsten Beichte die Sünde lässt. Das ganze Leben wird dadurch in handliche Einheiten geteilt, in der ein Sieg über diese Sünde mit Gottes Hilfe machbar ist. Nachdem ich so über mehrere Beichten eine Kletten-Sünde gelassen habe, so bin ich oft stark genug geworden, sie ganz zu besiegen. Gott unterstützt mich dabei aktiv, ja er ermöglicht diesen Sieg erst durch seine Gnade, wenn ich ihn in der Beichte um Barmherzigkeit und Hilfe anflehe. Ich habe das oft gespürt.

G. S., Ulm

 

„…das mach ich schon allein mit dem lieben Gott aus“
Als Kind ging ich gern und oft zur Beichte, als Jugendlicher routinemäßig, als junger Erwachsener ließ ich es sein. Ich weiß nicht, war es mein Stolz, schämte ich mich… egal – ich beschloss, das mach ich allein mit dem „lieben Gott“ aus, wozu all das einem Priester erzählen, was ich mir ja eigentlich selbst nicht eingestehen wollte?
Mein Leben zeigte sich dann oft nicht von der Sonnenseite, im Beruf gab es massive Schwierigkeiten, die auch mein privates Leben verdunkelten, aber ich blieb dabei – das schaff ich schon allein – bis zu dem Punkt, als ich nicht mehr weiterwusste und ich doch nach langer Zeit wieder eine Kirche aufsuchte, um es mit diesem Gott mal wieder zu probieren. Nach einiger Zeit sah ich das kleine Licht am Beichtstuhl und irgendwie zog es mich dort hinein – aufgeregt, stockend und mit Hilfe des Priesters legte ich mein Bekenntnis ab – ja, ich würde sagen, ein neues Leben begann, eine neue Freiheit durch die Worte des Priester: „Hiermit spreche ich dich los…“ Ich wusste in dem Moment, dass mir Jesus dies zusprach und mir auch diese Freude und Zuversicht, dass alles gut werden wird, ins Herz legte! Und wirklich alles, auch meine Probleme in der Arbeit… wurden gelöst, mir wurde eine neue Stelle angeboten und vieles Schöne ist mir seitdem geschenkt worden!

M. B. 39 Jahre, Pfarreiengemeinschaft Aindling

 

Sakrament der Zärtlichkeit
Seit mehr als 50 Jahre bin ich nun Priester, und das Bußsakrament hat mich seit meiner ersten hl. Kommunion begleitet. Die allermeisten Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, waren hilfreich und ermutigend. Gewissenerforschung und Bekenntnis haben mir zu einer tieferen Selbsterkenntnis und zur Wahrnehmung von Gefahren verholfen. Vor allem hat dieses Sakrament zu einer tieferen Verbindung mit Jesus geführt.
Bei meinen Exerzitien in Frankreich seit 1987 bin ich einer tieferen Sicht dieses Sakramentes begegnet. Statt von „Beichte“ spricht man vom „Sakrament der Versöhnung“ oder vom „Sakrament der Zärtlichkeit Gottes“. Bei den Priestern dort (und anderswo) habe ich die barmherzige Hirtensorge Jesu neu kennen gelernt. Der Beicht-„vater“ sollte nicht urteilen und erst recht nicht verurteilen, sondern Trost und Ermutigung spenden.
Bei der Reflexion meiner Ausbildung in Pastoraltheologie und meiner ersten Erfahrungen in der Spendung des Sakramentes ist mir klar geworden, dass wir früher viele Fehler gemacht haben, für die wir in der Kirche um Vergebung bitten sollten. Heute sehe ich im Sakrament der Versöhnung zuerst eine tiefe persönliche Begegnung mit Jesus, der mir im verstehenden Zuspruch des Priesters Korrektur und neue Kraft vermittelt.
Mit manchen Mitbrüdern teile ich die Überzeugung, dass es keine Erneuerung der Kirche ohne eine Erneuerung des Sakramentes der Versöhnung geben wird.

Pfr. Johannes Mohr, Trier

 

Beichterfahrungen aus der PG Dillingen
In den Schulen haben wir eine Form der Beichte entwickelt, die sehr stimmig ist und inzwischen beim Abend der Versöhnung, immer mehr auch von Erwachsenen gut angenommen wird. Wir Seelsorger wollten den Schülern vermitteln, dass Beichten ein Gebet ist. Es findet daher in der Kirche statt. Der oder die Priester spenden das Bußsakrament in den vorderen Bänken der Kirche. Das Gebet der Anderen oder eine ruhige Begleitmusik bilden den Raum der Diskretion. Man setzt sich in die Bank zu einem Priester und bekennt seine Sünden. Durch die Blickrichtung zum Altar oder zu Jesus in der Hl. Eucharistie wird deutlich, man sagt die Sünden direkt Gott. Das Handeln Gottes an mir wir deutlich durch sein Werkzeug, den Priester. Die Wartenden weiter hinten sind auffallend gesammelt. Sie können das Geschehen in der Kirche beobachten und innerlich mitverfolgen. Es ist für alle eine frohmachende bis begeisternde Erfahrung:

Michael (11 J.): Für mich war die Beichte sehr befreiend, weil ich dann keine Sünden mehr hatte. Ich fühlte mich danach sehr erleichtert. Das Beichtgespräch war für mich erleuchtend, weil ich etwas Neues erfahren habe. Es war etwas komisch, das wir nicht im Beichtstuhl waren. Insgesamt fand ich es aber „cool“.

Mary (50 J.): Die gesamte Stimmung in der Kirche war sehr besinnlich, so dass ich gut zur Ruhe kommen konnte. Schon die Vorbereitung auf das Beichtgespräch ist in gewisser Weise heilsam. Viele alltägliche Situationen konnte ich vor Gott hintragen. Das Beichtgespräch in der Kirche mit dem Tabernakel als leuchtender Mittelpunkt war ungewöhnlich. Es war gleichsam Gott gegenwärtig und die Beichte war wie eine Reinigung. Nach der Lossprechung durch den Pfarrer, der mich mit einem Guten Gedanken in den Alltag verabschiedet hat, fühlte ich mich wie eine volle Batterie, die gerade an der Ladestation war.

Mirjam (14 J.): Vor der Beichte war ich aufgeregt. Ich war besorgt, dass ich hoffentlich nichts vergesse. Meine Gedanken waren wie geladen. Doch dann, als ich in der dunklen Kirche saß, brach alles auf und ich konnte alles in meinen wirren Gedanken vor Gott ausbreiten. Wie eine chemische Reaktion erfolgte die „Entladung“. Ich war befreit, erleichtert und kam mir vor, als ob ich auf Wolken laufen würde.