Beichten – wie geht das?

 

„Beichte an (D)einer Hand“ oder: So einfach geht’s

Mit dem Beichten ist es so eine Sache. Jeder weiß, dass es gut tut und doch tut es (fast) keiner. Warum eigentlich? Martin Buber hat uns diese kleine Begebenheit überliefert: Rabbi Bunan sprach zu seinem Chassidim: „Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden die er begeht, – die Versuchung ist mächtig, und seine Kraft ist gering! Die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut.“ Sind wir also nicht selber schuld?

Denn genau das hat ja der verlorene Sohn am Ende fertig gebracht: er ist umgekehrt… Und sein Vater hatte schon die ganze Zeit auf ihn gewartet.

Wer diese Geschichte der Barmherzigkeit auf sich wirken lässt, spürt worum es bei der Beichte geht: Ich schaue in mein Herz, ich fasse mir ein Herz, schütte mein Herz aus und bekomme wieder ein reines Herz. Wie hatte einmal ein Kaplan in der Kommunionvorbereitung die Erstbeichte erklärt: Der Beichtstuhl ist die Waschmaschine des lieber Gott. Richtig! Denn, wenn wir ehrlich sind, wird da drin „dreckige Wäsche“ gewaschen – aber mit Barmherzigkeit. Also nichts wie rein damit!

Und wie läuft das „Waschprogramm“ ab. Den Erstkommunionkindern werden die „5 B“ der Beichte beigebracht. Und die verstehen auch wir Erwachsene. Die Fünf Schritte fangen alle mit „B“ an und lassen die Vorbereitung zur Beichte an einer Hand ablesen. Und so geht’s: ich besinne mich, ich bereue, ich bekenne, ich büße, ich bessere mich. Das kann man sich merken. Also nix wie los! Machen wir reinen Tisch, die Wäsche -ach was-, das Herz! will rein gewaschen werden.

Ich besinne mich
Das tut immer gut, wenn wir zur Besinnung kommen. Was bringt uns zur Besinnung? Vielleicht die mutige Einsicht, dass es so nicht weiter gehen kann und soll, jedenfalls nicht genauso. Gewiss, nicht alles war schlecht. Aber manches läuft eben doch nicht ganz richtig.

Bei einer guten Gewissenserforschung geht es nicht um das gewissenhafte Abhaken einer Checkliste. Schauen wir lieber ganz unvoreingenommen auf uns und in uns hinein. Nicht mit der Lupe sondern eben mit der Liebe, die wir zu uns selbst haben dürfen. Erst dieser liebevolle Blick ermöglicht ein wahres Selbstverständnis. Das Gott übrigens für uns hat. Keiner kennt uns so gut wie Er. Der Psalm 91 lässt da ganz tief blicken: “ Ps 91 Und schließlich will Gott, dass unser Leben glückt. Und das wollen wir doch auch!

Wie also sieht mein Leben mit Gott aus? Wie lebendig, liebevoll und auch respektvoll ist meine Beziehung zu ihm? Meine Mitmenschen suche ich mir nicht aus. Sie sind mir gegeben. Gabe und Aufgabe zugleich. Die Natur und Umwelt ist mein Lebensraum. Ich lebe mit und in ihr. Und sie lebt mit mir. Geht es uns gut miteinander? Und wie geht es eigentlich mit mir? Kenne ich mich? Mag ich mich?
Schauen wir uns einfach mal ganz ehrlich in einem Spiegel in die Augen. Und nehmen wir uns dafür eine Minute Zeit. Das lässt tief blicken!

Ich bereue
Ich muss nicht beichten. Ich will beichten, weil ich Gott liebe und nicht will, dass zwischen mir und meinem Gott eine Mauer ist. Ich will meinem Gott in die Augen schauen und, Er mir ins Herz. Darum beichte ich nicht aus Furcht vor Strafe, sondern aus Liebe zu Gott. Wenn es mir aus ganzem Herzen leid tut, hat Gott mich schon längst verstanden! Und der nächste Schritt ist irgendwie schon getan:

Ich bekenne
Dazu gehört Mut. In den Beichtstuhl zu gehen und sich hinzuknien und alles – und nur das – zu sagen, was ich nicht geschafft habe. Wo tut man das sonst noch freiwillig? Nirgends! Und genau darum tut Beichten so gut. Wir müssen uns vor Gott nicht hinstellen, uns nicht beweisen. Wir dürfen Ihm sagen, was wir – trotz all unseres guten Willens – nicht geschafft haben. Sich alles von der Seele zu reden, dazu ist im Beichtstuhl Raum und Zeit!

Übrigens: Der Priester geht auch zum Beichten. Niemand weiß wohl besser als ein Priester, wie notwendig und heilsam die Beichte ist – auf beiden Seiten des Beichtstuhls …
Das vierte B klingt nicht ganz sympathisch:

Ich büße
Und doch: Buße muss sein. Es ist ein Ausdruck guten Willens: Ich mache es wieder gut, so gut es geht. Dazu ist nach der Beichte auch die ideale Gelegenheit. Denn in der Beichte bekomme ich neben der Vergebung liebe Gottesauch eine Menge Gnade geschenkt. Kraft zur Umkehr, die ich gleich nutzen kann, um ein Zeichen zu setzen, dass es mir wirklich ernst ist. Es könnte ein Gebet sein oder eine gute Tat. Damit bin ich schon auf dem besten Weg zur Besserung. Denn wie hat es Wilhelm Busch so schön gesagt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Der große Heilige der Nächstenliebe, Vinzenz von Paul, macht es für mich noch einsichtiger in den drei Worten: „Liebe sei Tat!“ Damit ist es nur noch ein kurzer Weg zum letzten „B“ der Beichte:

Ich bessere mich
Ich will einen Vorsatz fassen. Nicht zu viel und nicht zu wenig versuche ich mir vorzunehmen. Was will ich besser machen, und vor allem: Was kann ich besser machen? Nur beides zusammengenommen macht einen guten Vorsatz aus. Wer sich zu viel vorgenommen hat, ist schnell frustriert. Und noch eines: Machen Sie Ihren Vorsatz so konkret wie möglich. Warum nicht auch einen Knoten ins Taschentuch? Aber zu den Vorsätzen kommen wir später noch, nach der Beichte …