Gewinnung eines Ablasses im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit

Das Außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit soll eine „Zeit der Gnade für die Kirche sein und helfen, das Zeugnis der Gläubigen stärker und wirkungsvoller zu machen“, wie der Papst in seiner Verkündigungsbulle des Außerordentlichen Jubiläums der Barmherzigkeit formuliert hat.

Diesem Anliegen dient auch der Ablass, der den Gläubigen für das Heilige Jahr gewährt wird. Für seine Gewinnung ist eigentlich der Besuch einer der römischen Patriarchalbasiliken vorgeschrieben. Um aber möglichst vielen Menschen diese Gnadenquelle zu erschließen, kann der Bischof dafür auch Kirchen in seinem Bistum bestimmen.
Schwerpunkt und Höhepunkt der Pastoral in diesen Kirchen muss nach dem Willen des Heiligen Vaters die Begegnung der Gläubigen mit der Barmherzigkeit Gottes in den Sakramenten, besonders in der Feier des Bußsakramentes und der Eucharistie sein.

Um den Ablass für sie oder für Verstorbene zu gewinnen, sollen die Gläubigen folgendes vollziehen:

  • einen Pilgergang zur Heiligen Pforte zurücklegen, die in jeder Kathedrale oder vom Diözesanbischof bestimmten Kirche geöffnet wird;
  • das Bußsakrament empfangen;
  • an der Feier der Heiligen Eucharistie (mit Kommunionempfang) teilnehmen;
  • eine gebührende Zeit über die Barmherzigkeit Gottes besinnlich nachdenken;
  • das Glaubensbekenntnis sprechen;
  • für den Heiligen Vater und für seine Anliegen zum Wohl der Kirche und der ganzen Welt beten (Vater unser, Gegrüßet seist Du Maria, Ehre sei dem Vater).

Der Heilige Vater denkt darüber hinaus auch an „all jene, denen es aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich sein wird, sich zur Heiligen Pforte zu begeben“. Er nennt die Kranken und die alten, einsamen Menschen, die häufig das Haus nicht verlassen können und erwähnt besonders die Strafgefangenen, die die Einschränkung ihrer Freiheit erleben. in diesen Fällen wird der Pilgergang zur Heiligen Pforte/Pforte der Barmherzigkeit ersetzt durch die Haltung, mit der

a) die Kranken und Alten ihr Leiden annehmen als Erfahrung der Nähe zum Herrn, der im Geheimnis seines Leidens, seines Todes und seiner Auferstehung den Weg aufzeigt, um dem Schmerz und der Einsamkeit einen Sinn zu verleihen; und

b) die Gefangenen sich ihrer Schuld bewusst werden sowie die Umkehr und Wiedereingliederung in die Gesellschaft vornehmen. Bei Letzteren wird die Zellentür oder die Tür der Gefängnis-kapelle zum Zeichen und zur Einladung zum Gebet.

In all diesen Fällen gilt es, die oben genannten Gebete zu verrichten und, wenn irgend möglich, an einer Eucharistiefeier teilzunehmen (auch über die sozialen Kommunikationsmittel) und das Bußsakrament sowie die hl. Kommunion zu empfangen.

Ablass_Internet_2015
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Jubilaeumsablass_Flyer.pdf

Hier sind die im deutschsprachigen Raum üblichen Fernsehübertragungen der hl. Messe besonders hilfreich. Es ist ja in vielen Gemeinden gute Praxis, zeitnah zu den Gottesdienstübertragungen, die Krankenkommunion zu denen zu bringen, die das Haus nicht verlassen können. Die Pfarrgemeinden sind darüber hinaus eingeladen, in Strafanstalten, die über keinen eigenen Seelsorger verfügen, ein Angebot der Eucharistiefeier zu machen. Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit erinnert die Priester daran, dass sie auch denen, die nicht in die Kirche kommen können, das Sakrament der Versöhnung ermöglichen sollten.

Im Jahr der Barmherzigkeit betont der Heilige Vater die Bedeutung der geistlichen und leiblichen Werke der Barmherzigkeit. Es ist eine Besonderheit in diesem Heiligen Jahr, dass die Pilgerfahrt zur Heiligen Pforte/Pforte der Barmherzigkeit durch tätige Werke der Barmherzigkeit ersetzt werden kann. Die übrigen Bedingungen für den Jubiläumsablass (Empfang des Sakramentes der Versöhnung, Feier der heiligen Eucharistie mit Kommunionempfang, Reflexion über die Barmherzigkeit, Glaubensbekenntnis, Gebet für den Heiligen Vater und seine Anliegen zum Wohl der Kirche und der ganzen Welt) gelten unverändert.

 

 

 

Ein Interview der Katholischen SonntagsZeitung mit Dogmatik-Professorin Gerda Riedl über den Ablass im Heiligen Jahr können Sie hier lesen: SZ_4_Interview_Ablass.pdf (ca. 619 KB)