Versöhnung feiern

Wie in einem Spiegel das eigene Leben anschauen

Anmerkung: Dieser Beichtspiegel geht die Zehn Gebote Gottes und die jesuanischen Gebote der Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe entlang, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Schritt 1 – Vorbereitung
Ich ziehe mich zurück, werde still, bekreuzige mich.

>> Gebet zur Vorbereitung auf die Beichte

Schritt 2 – Einleitung
Ich bitte Gott um Hilfe, z. B. so:
„Gott, wie ich jetzt bin, komme ich zu dir. Du siehst mich an, liebevoll und auch gerecht. Ich brauche mich vor dir nicht zu verstecken. Hilf mir, mein eigenes Leben ehrlich anzuschauen, mein Fühlen und Denken, mein Reden und Tun. Ich danke dir. Amen.“

Schritt 3 – Gewissenserforschung
Ich stelle mir vor, in einem großen Spiegel mich selbst anzuschauen; dafür nehme ich mir jeweils die Zeit, die ich brauche. Wenn es mir hilft, notiere ich mir einige Stichworte, den Impulsen folgend:

Ich schaue mein Verhältnis zu Gott an.
Gott hat mich geschaffen aus Liebe. Bin ich Gott Liebe schuldig geblieben?

  • Ich mache mir bewusst: Gott hat mich gut geschaffen.
  • Ich schaue, ob ich Gott gedankt habe für mein Leben, 
z. B. im Gottesdienst und im Gebet. Was sehe ich, was sehe ich nicht?
  • Ich mache mir bewusst: Gott hat auch mir seine Schöpfung anvertraut.
  • Ich schaue, wie ich mit den Gaben der Schöpfung umgehe, z. B. mit Pflanzen, Tieren, Lebensmitteln. Was sehe ich, was sehe ich nicht?
  • Ich mache mir bewusst: Gott ruft mich, für meinen Glauben einzustehen.
  • Ich schaue, ob ich Gott vertraue; ob ich mir für ihn täglich Zeit nehme; ob ich bereit bin, zu meinem Christsein zu stehen und es aktiv zu gestalten, selbst wenn es schwerfällt; ob ich meinen Glauben weiterbilde… Was sehe ich, was sehe ich nicht?

Ich schaue mein Verhältnis zu den Mitmenschen an.
Gott hat mich geschaffen zur Liebe. Bin ich jemandem Liebe schuldig geblieben?

  • Ich mache mir bewusst: Allein kann ich nicht leben; ich bin auch auf andere angewiesen.
  • Ich schaue, ob und wo ich mich engagiere für andere, oder ob ich nur auf mich selbst hin lebe, ob ich teilen kann…
  • Ich schaue, ob und wo ich andere ausnutze für meine Zwecke. Was sehe ich, was sehe ich nicht?
  • Ich mache mir bewusst: Auch Worte können wie Waffen sein.
  • Ich schaue, wie ich mit anderen oder über sie rede, ob es herzlos, unwahr oder sogar demütigend ist …
  • Ich schaue, ob ich bereit bin, hinzuhören und hinzuschauen, wenn meine Hilfe gefragt ist. Was sehe ich, was sehe ich nicht?
  • Ich mache mir bewusst: Nicht alles, was möglich ist, ist auch sinnvoll und lebensförderlich.
  • Ich schaue, wie ich mit Mitmenschen umgehe; ob ich sie wie Gegenstände oder Konkurrenten behandle; ob ich ihr Leben, ihre Würde, ihre Bindungen und ihre Freiheit achte; ob ich ihr Recht und ihr Eigentum respektiere… Was sehe ich, was sehe ich nicht?

Ich schaue mein Verhältnis zu mir selbst an.
Jesus ruft mich, Gott und den Nächsten zu lieben wie mich selbst. Bin ich mir selbst Liebe schuldig geblieben?

  • Ich mache mir bewusst: Mein Leben ist wertvoll; ich habe auch für mich Verantwortung.
  • Ich schaue, wie ich mit mir selbst umgehe; ob ich auf eine ausgewogene Ernährung achte und mir ausreichend Bewegung, Schlaf und Ruhe gönne; ob mein Konsumverhalten im Gleichgewicht oder übertrieben ist, vielleicht sogar schädlich …
  • Ich schaue, ob ich Gerechtigkeit nur für mich erstrebe oder auch fähig bin, von mir abzusehen… Was sehe ich, was sehe ich nicht?
  • Ich mache mir bewusst: Ich darf am Guten, Schönen und Wahren wachsen.
  • Ich schaue, wie ich Medien wie TV, Internet, Telefon usw. gebrauche, ob sie mein Leben bereichern; ob ich von etwas oder jemandem ungut abhängig bin; ob etwas weniger vielleicht etwas mehr wäre im Blick auf anderes Sinnvolles …
  • Ich schaue, wie ich meine Zeit einteile und ob ich unterscheiden kann zwischen Nötigem und Überflüssigem, zwischen Lebensförderlichem und Lebenshemmendem… Was sehe ich, was sehe ich nicht?
    Ich mache mir bewusst: Ich bin frei, zu wählen und zu entscheiden zum Guten.
  • Ich schaue, ob ich mit mir in Frieden bin; oder ob ich mich von irgendwelchen Sehnsüchten treiben und bestimmen lasse; ob ich mit guter Kritik an mir umgehen kann und mich von ihr bereichern lassen kann…
  • Ich schaue, ob und wann sich bei mir Gier meldet und wonach oder nach wem; ich frage mich, ob die Dinge oder Gewohnheiten mich „besitzen“ oder ich sie… Was sehe ich, was sehe ich nicht?

Schritt 4 – Zusammenfassung und Vorbereitung für die Beichte
Ich verweile noch einen Moment bei dem, was ich im „Spiegel“ gesehen oder nicht gesehen habe. Ich formuliere ein Schuldbekenntnis, z. B.: „Gott, du weißt es und ich mache mir bewusst und bekenne es in dieser Stunde: Ich bin dir, meinen Mitmenschen, mir selbst Liebe schuldig geblieben. (Menschen, Situationen, Erlebnisse hier für sich persönlich benennen.)

Gott, du liebst die Gerechtigkeit, du bist gerecht in Liebe. Sieh mich an, schenk mir deinen Blick voll Erbarmen, der mich aufrichtet; und sag mir dein Wort der Vergebung, das mich tröstet und befreit.
Gott, du bist treu. Ich danke dir, dass ich mich jetzt daran erinnern darf: Du verlierst mich nicht aus deinem Herzen. Mit all meiner Unvollkommenheit, mit all dem Trennenden von deiner Liebe komme ich zu dir mit der Bitte um deine Barmherzigkeit, die mir einen neuen Anfang schenkt. Amen.“
Hier könnte sich nun der Empfang des Bußsakramentes anschließen.

 

Wie geht es beim Beichten zu?

Begrüßung/Eröffnung
Ob im eher anonymen Beichtstuhl oder bei einem längeren Beichtgespräch am Tisch des Gesprächszimmers: Das Sakrament der Versöhnung ist ein Gottesdienst. Der Priester, der im Auftrag und im Namen Gottes mit Ihnen das Versöhnungssakrament feiert, wird Sie zunächst begrüßen und dann mit Ihnen zur Eröffnung das Kreuzzeichen machen und mit Ihnen sprechen: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“

Dann wird der Priester Sie ermutigen und in etwa sagen: „Gott, der unser Herz erleuchtet, schenke dir wahre Erkenntnis deiner Sünden und seiner Barmherzigkeit.“

Kurzlesung
Wenn möglich soll ein kurzes Wort aus der Bibel folgen, das von der Barmherzigkeit und Güte Gottes spricht und den Willen des Beichtenden zur Umkehr stärkt.

Sündenbekenntnis und Bußwerk
Nun ist Raum, dass Sie ihre Sünden offen aussprechen. Damit dies gut gelingt, ist die Zeit der Gewissenserforschung vor der Beichte wichtig. Im Bekenntnis soll auch das Herz zur Sprache kommen. Denn es geht ja darum, dass Gott das Wort der Versöhnung, der Vergebung und Befreiung über all das ausspricht, was ihm ein Mensch offen und ehrlich sowie mit Reue und Umkehrbereitschaft an Versagen anvertraut. Die Aufgabe des Priesters ist es, aufmerksam zuzuhören, gegebenenfalls zu helfen, das Sündenbekenntnis abzulegen und vor allem einen aufrichtenden Zuspruch an den beichtenden Menschen zu richten. Dazu gehört auch, dass der Priester mit Ihnen ein Bußwerk bespricht, das Sie zur Genugtuung für die begangenen Sünden sowie als Hilfe zur Besserung auf sich nehmen.

Gebet des Gläubigen und Lossprechung
Mit einem kurzen Reuegebet bitten Sie dann Gott um Vergebung (z. B. „Gott und Vater, ich bin dir und meinen Mitmenschen Liebe schuldig geblieben. Ich bereue meine Sünden und bitte dich: Hab Erbarmen mit mir.“)

Nun hebt der Priester seine Hände und spricht die Worte der Vergebung (Lossprechung): „Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Sie antworten: „Amen.“

Lobpreis Gottes und Entlassung
Der Priester spricht nun einen kurzen Lobpreis, z. B. „Dankt dem Herrn, denn er ist gütig.“ Sie können hinzufügen: „Denn sein Erbarmen währt ewig.“

Dann folgt die Verabschiedung bzw. Entlassung durch den Priester, in etwa so: „Der Herr hat dir die Sünden vergeben. Geh hin in Frieden.“

Sie sind nun eingeladen, sich nun an einen geeigneten Ort zu begeben, um Gott persönlich für die Vergebung und Versöhnung zu danken.

>> Dankgebet nach der Beichte

Materialien für verschiedene Feiern, z. B. ein Konzept für einen Abend der Versöhnung und einen Familienbeichtnachmittag, finden Sie hier.