Elisabeth von Thüringen

Simone Martini, Die heilige Elisabeth, Freskendetail in der Unterkirche der Basilika San Francesco in Assisi, 1322–1326

Simone Martini, Die heilige Elisabeth, Freskendetail in der Unterkirche der Basilika San Francesco in Assisi, 1322–1326

Landgräfin

Namensdeutung: Gott schwört, vielleicht auch Haus des Elija (hebr.)

Namenstage: Elisabeth, Elisa, Ella, Elsa, Elsbeth, Lisbeth, Sabeth, Bettina, Lisa, Isabell, Ilse, Lily, Sissi

Gedenktag: 19. November

Lebensdaten: geboren am 7. Juli 1207 auf Burg Sárospatak, Ungarn, gestorben am 17. November 1231 in Marburg

Lebensgeschichte: Elisabeth war die Tochter des ungarischen Königs Andreas II. und der Gräfin Gertrud von Andechs-Meranien. Mit vier Jahren kam sie mit zur Erziehung und späteren Verheiratung an den kultivierten Thüringer Hof und wurde zehn Jahre später mit dem regierenden Landgrafen Ludwig vermählt. Ihre außerordentlich glückliche Ehe war mit drei Kindern gesegnet und von gleichen Interessen geprägt, weswegen das berühmte Rosenwunder jeder Grundlage entbehrt. Ohnehin geht die legendarische Anekdote, wonach der argwöhnische Ehemann Rosen statt des (zu Recht) vermuteten Brotes für Arme in ihrem Tragekorb aufdeckte, auf Elisabeth von Portugal zurück. 1223 kamen die Eheleute durch den Laienbruder Rodeger mit der franziskanischen Armutsbewegung in Berührung, und im selben Jahr gründeten sie ein Hospital in Gotha. Elisabeth verschenkte ihre kostbaren Kleider, ging barfuß zur Messe, spann Wolle für die Armen, besuchte Kranke und wusch Tote – für den Hof schlichtweg entwürdigende Tätigkeiten. Als sie während einer Hungersnot 1226 im ganzen Land die Kornkammern öffnen ließ, wurde sie heftig kritisiert, doch Ludwig hieß ihre Maßnahme ausdrücklich gut. Nachdem er 1227 auf dem Kreuzzug verstorben war, verzichtete Elisabeth auf allen ihren Besitz und bezog einen Schweinestall bei Eisenach, wo sie mit ihren Hofdamen fast verhungert wäre, weil auch das Volk sie für irre hielt. Erst als ihre Familie mütterlicherseits sich einmischte, erhielt sie von ihrem Schwager Heinrich Raspe eine Abfindung, die Elisabeth 1228 zum Bau eines Kranken- und Aussätzigenspitals in Marburg benutzte – in unmittelbarer Nähe ihres Beichtvaters Konrad, der ihr nur noch mehr Entsagungen abverlangte, darunter auch die Trennung von ihren Kindern, wobei sie Konrads strenge Weisungen häufig „mit frommer List umging“, um weiter großzügig sein zu können. Als bloße Spitalmagd wirkte Elisabeth unter Leprakranken, Krüppeln und Sterbenden, bis nach drei Jahren ihre Kräfte aufgebraucht waren und sie mit nur 24 Jahren starb.

Verehrung: Elisabeth wurde in ihrem Franziskusspital begraben, dessen Kapelle der Deutsche Orden nach ihrer Heiligsprechung 1235 zur ersten gotischen Kirche des Landes erweiterte, der heutigen Elisabethkirche. Im 15. Jahrhundert war die Wallfahrt zu ihrem Grab eine der größten in ganz Europa geworden. 1539 ließ der protestantisch gewordene Landgraf Philipp I. von Hessen den Schrein mit ihren Reliquien zerstören, um ihren Kult zu beenden. Geborgene Reliquien werden im Wiener Elisabethinenkloster verehrt.

Darstellung: mit Rosenkorb oder bei Werken der Barmherzigkeit

Patronin: von Hessen und Thüringen, der Caritas, des Deutschen Ordens, der Bäcker, Bettler, Kranken und Armen, der unschuldig Verfolgten, der Witwen und Waisen